Alarmsignal des Tierorganismus: Verdauungsprobleme bei Hunden und Katzen

Verdauungsprobleme wie Diarrhö (Durchfall), Verstopfungen, Blähungen oder auch Analdrüsenentzündungen sollten von Haustierbesitzer:innen keineswegs als kurzweilige Begleiterscheinung abgetan, sondern als ernstzunehmendes Alarmsignal verstanden werden. In der Regel weisen derartige Symptome darauf hin, dass mit dem Tierorganismus etwas nicht in Ordnung ist.

Auch wenn die genannten Beschwerden oftmals nur mit vorübergehenden Dysbalancen, Viruserkrankungen, Infektionen und fütterungs- oder auch altersbedingten Störungen zusammenhängen, welche Tierhalter:innen gut selbst behandeln können, sollte stets die Meinung von Veterinärmediziner:innen eingeholt werden. Denn in manchen Fällen können Verdauungsstörungen ebenso ernstere Ursachen, wie z.B. eine Organerkrankung, zugrunde liegen.

Diarrhö (Durchfall)

Konkret können folgende Auslöser für Verdauungsprobleme verantwortlich sein:

  • Futtermittelunverträglichkeiten
  • Entzündungen
  • Allergien
  • Viruserkrankungen / Infektionen
  • Parasiten
  • Krebs
  • Geschwüre
  • Fremdkörper
  • Toxine
  • Sonstige Krankheiten (Nieren, Bauchspeicheldrüse, etc.)

Die fütterungsbedingte Diarrhö lässt sich hierbei am schnellsten lösen. Die falsche Futterauswahl oder auch eine falsche Zusammensetzung mit hohen Kohlenhydratgehalten kann zur Überschreitung der Kohlenhydrat-Verdauungskapazität im Dünndarm führen, was wiederum Durchfall zur Folge hat. Kohlenhydrate wie Kartoffeln, Reis oder Hirse müssen vor der Verfütterung sehr weichgekocht werden, um die enthaltene Stärke aufzuschließen und sie für das Haustier verwertbar zu machen.

Grundsätzlich unterscheidet man bei der Diarrhö außerdem zwischen Dünndarm- und Dickdarmdiarrhö, welche sich ebenso unterschiedlich auf den Tierorganismus auswirken können:

Des Weiteren können zu hohe Konzentrationen an leicht fermentierbaren Kohlenhydraten (Pektin, Laktose, Laktulose, etc.), die gerne bei selbst zubereiteten Rationen verabreicht werden, zu Verdauungsbeschwerden führen. Auch umgebungsbedingte Faktoren wie zu hohe Temperaturen oder die falsche Lagerung von konventionellem Futter (Dosen- oder Trockenfutter), sowie das falsche Auftauen von selbst hergestellten Rationen kann Symptome wie Durchfall oder Blähungen zur Folge haben. Hierbei gilt es immer zu beachten, dass Trockenfuttertüten gut verschlossen und kühl gelagert werden müssen. Dosenfutter hingegen darf keine äußerlichen Schäden wie Dellen oder einen leicht geöffneten Verschluss aufweisen. Selbst zusammengestellte, eingefrorene Rationen sollten Tierhalter:innen im Kühlschrank auftauen, um Kontaminationen mit Mikroorganismen zu vermeiden.

Ein wichtiger Punkt für übereifrige Haustierbesitzer:innen, die zu einer anderen Fütterungsart oder einfach nur das Futter per se wechseln wollen, ist hier die LANGSAME Umstellung auf ein neues Futter. Die Darmflora muss sich erst auf die neuen Gegebenheiten einstellen und dies darf nicht von einem auf den anderen Tag vollzogen werden. In der Regel spricht man von einer Umstellungszeit von fünf bis sieben Tagen, bei alten Tieren kann diese Eingewöhnungsphase auch länger dauern.

Die genaue Zusammensetzung des Futters sollte ebenso berücksichtigt werden. Sojaprodukte, bindegewebsreiche Futtermittel (Schlund, Pansen, etc.) aber auch tierische Nebenerzeugnisse, in denen so ziemlich alles enthalten sein kann, können die Balance der Verdauung aus dem Gleichgewicht bringen. Hier empfiehlt es sich, die exakte Zusammensetzung des Herstellers unter die Lupe zu nehmen, diesen bei Fragen gegebenenfalls zu kontaktieren und bei selbst zubereiteten Rationen die Bestanteile der Zusammensetzung zu überdenken bzw. mit Fachexpert:innen zu besprechen.

Wie können Hunde- oder Katzenbesitzer:innen nun bei akutem Durchfall reagieren?

Zuallererst ist das Tier auf eine Nahrungskarenz (Null-Diät mit Wasser) einzustellen. Bei Hunden spricht man von 24 bis 48 Stunden, bei Katzen von maximal zwölf Stunden. Katzen reagieren empfindlicher auf eine Null-Diät, gerade übergewichtige Katzen dürfen niemals länger fasten, da dies eine hepatische Lipidose zur Folge haben kann. Dies gilt auch für Jungtiere, wo eine Null-Diät kontraindiziert ist. Eine reichliche Wasseraufnahme ist hierbei ebenfalls essenziell, um eine Dehydration zu vermeiden. Letztere kann gut mit dem Nackenfalten-Test überprüft werden.

Warum ist es so wichtig, dass Tierhalter:innen die Null-Diät einhalten?

Mit der strengen Futterkarenz kann die spätere Ausbildung einer Futtermittelallergie vermieden werden. Bei einer Entzündung des Darms, die auch als Enteritis bekannt ist, lockern sich die Zellverbindungen zwischen den Darmzellen. So können Proteine durch die Darmschranke wandern und mit den Immunzellen in Kontakt treten. Der problematische Aspekt ist hierbei, dass diese Proteine daraufhin als Gefahr (sogenannte Allergene) eingestuft werden und der Organismus Antikörper dagegen produziert. Wenn Tierhalter:innen allerdings konsequent beim Futterentzug bleiben, regeneriert sich die Darmschleimhaut innerhalb von 24 bis 48 Stunden und es werden neue Darmzellen produziert, um die Darmschranke zu stärken. So wird bzw. bleibt jene nicht durchlässig.

Der zweite wichtige Punkt, der für eine Futterkarenz spricht, sind die zerkleinerten Nährstoffbausteine (Kohlenhydrate und Eiweiß), welche osmotisch wirken können und die Diarrhö verstärken.

Nach der Fastenzeit kann das Tier über zwei Tage hinweg mit einer Schonkost problemlos wieder auf die normale Futterration zurückgeführt werden. Hierfür eignen sich selbst gekochte, fettarme und leicht verdauliche Rationen, die in mehreren Etappen über den Tag verfüttert werden, am besten. Auf eine große Mahlzeit sollte hierbei verzichtet werden. Eine mögliche Zusammenstellung könnte beispielsweise aus gut durchgekochtem Reis, magerem Geflügelfleisch und Hüttenkäse bestehen. Obwohl sich jene Zusammensetzung für eine Schonkost gut eignet, sollte sie jedoch nicht als alleinige Dauerfütterung eingesetzt werden. Ohne vitaminisierte Mineralfutter-Supplementierung würde diese zu einer Nährstoffunterversorgung führen.

Als hervorragendes Hausmittel bei Durchfall hat sich außerdem die Moro’sche Möhrensuppe etabliert. Auch bei Darminfektionen kann sie therapiebegleitend als Fütterungsoption herangezogen werden. Sie darf jedoch keinesfalls als Ersatz für eine veterinärmedizinische Therapie, sondern als ergänzende Maßnahme verstanden werden.

Rezept: Moro`sche Möhrensuppe

  • Möhren schälen und mit Wasser bedecken.
  • 5g (1TL) Salz/kg Möhren hinzufügen und für mindestens eine Stunde kochen lassen (weichkochen).
  • Das Gemisch pürieren.

Menge:

  • Sehr kleine Hunde: 0,1 Liter
  • Kleine Hunde: 0,25 Liter
  • Mittlere Hunde: 0,5 Liter
  • (Sehr) große Hunde: entsprechend mehr

Hunde sollten die Suppe in etwa eine halbe Stunde vor jeder Hauptmahlzeit verabreicht bekommen. Idealerweise wird mit dem Durchlauf der Morosuppe jede Stelle des Dünndarms mit Oligosachariden benetzt. Beim Kochen der Möhren entstehen nämlich kleinste Zuckermoleküle (saure Oligogalakturonide), die den Rezeptoren des Darmepithels ähneln und daher an pathogene Darmkeime andocken. Diese Erreger docken dann nicht mehr an dem Darmepithel an, sondern an den Zuckermolekülen und werden ausgeschieden.