Selbst gekocht, BARF, Whole-Prey: Fütterungstechniken im Kleintierbereich

Der Futtermittelmarkt im Haustierbereich ist sehr stark angewachsen und für viele Tierhalter:innen wird es zunehmend schwieriger, qualitativ hochwertiges Futter von Produkten von geringerer Qualität zu unterscheiden. Welche alternativen Fütterungstechniken gibt es für jene Haustierbesitzer:innen, die nicht zu Fertigfutter greifen wollen?

Verallgemeinert lässt sich feststellen, dass der Großteil der Haustiere heutzutage mit industriellem Fertigfutter ernährt wird. Die Auswahl wird hierbei zusätzlich erschwert, da es mittlerweile Produkte speziell für Welpen, Senioren, trächtige oder Tiere, reine Wohnungskatzen und noch viele weitere Untergruppen gibt. Dennoch gibt es auch vielversprechende Alternativen, die im Futtermittel-Dschungel nicht gänzlich untergehen sollten, da sie gerade unter Hundebesitzer:innen immer mehr an Zuspruch gewinnen und häufiger zum Einsatz kommen. Das sollten Tierhalter:innen über jene Fütterungstechniken wissen, bei denen sie die Mahlzeiten ihrer Vierbeiner selbst zusammenstellen.

Fütterungstechnik: selbst kochen

Wer ohnehin gerne Zeit in der Küche verbringt, kann auch seinem Haustier ein wunderbares Menü zaubern. Zu diesem Thema gibt es bereits unzählige Veröffentlichungen, die es auch unerfahrenen Haustier-Köch:innen ermöglicht, sich ein Grundwissen anzueignen. Dennoch ist es wichtig, hier stets Rücksprache mit seiner Tierärztin oder seinem Tierarzt zu halten, um die richtige Nährstoffversorgung zu gewährleisten.

Vorteile: Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt und das Tier profitiert von abwechslungsreichen Mahlzeiten. Dennoch ist zu beachten, dass Tiere nicht gleich funktionieren, wie Menschen und grundsätzlich nur fressen, um ihr Bedürfnis zu befriedigen. Sie sind keine „Genießer:innen“, auch die Wahrnehmung der Geschmäcker unterscheidet sich zwischen Tier und Mensch. Für diese Fütterungstechnik spricht außerdem, dass man als Besitzer:in genauestens darüber Bescheid weiß, woher die Zutaten kommen, die schlussendlich in der Futterschüssel landen. Außerdem sterben die meisten Bakterien und Krankheitserreger durch den Kochvorgang ab, was wiederum die Verdaulichkeit des Futters erhöht. Auch die Haltbarkeit der Nahrung kann erhöht werden, da sie langsamer verdirbt als rohes Futter.

Nachteile: Die Anwendung dieser Fütterungstechnik setzt ein fundiertes Wissen über die richtige Ernährung von Haustieren voraus. Wissen die Tierhalter:innen nicht darüber Bescheid, wie richtig und bedarfsorientiert gefüttert wird, kann es zu einer Fehlernährung und in weiterer Folge zu einer Fehlversorgung der Nährstoffe kommen. Des Weiteren muss bei dieser Methode unbedingt supplementiert werden, da die Hitze und die Garvorgänge beim Kochen zu Zerstörungen der Struktur und der Nährstoffe führt.

Fütterungstechnik: BARF (Komplettfutter, Whole-Prey, Franken-Prey)

Bei diesen Fütterungstechniken orientiert man sich am Beutetier. Die Abkürzung BARF steht für „biologisch artgerechte Rohfütterung“ oder auch „Bone and raw food“. Hierbei „baut“ man bei der Fütterung ein Beutetier nach, bei der Whole-Prey-Methode (zu Deutsch: ganzes Beutetier) verfüttert man hingegen das gesamte Tier.

Wodurch unterscheiden sich die drei Konzepte konkret?

Bei BARF konzentriert man sich auf die Bedürfnisse des Tieres, bei der Errechnung der Futterzusammensetzung werden somit die Aktivität und weitere Faktoren wie Kastration, hormoneller Zustand und das aktuelle Gewicht miteinbezogen. Auch (Vor-)Erkrankungen oder die aktuelle Jahreszeit spielen hierbei eine wichtige Rolle, ebenso wie der Einsatz von Nahrungssupplementen, Ölen, Obst und Gemüse. Bei Whole-Prey hingegen werden keine Supplemente hinzugefügt, sondern ganze Tiere wie Hühner und Kaninchen mit Federn und Fell verspeist. Die Anwender:innen dieser Fütterungsmethode sehen Whole Prey als die ursprünglichste Ernährungsweise für den Hund an.

Wie könnte diese Fütterungstechnik hingegen mit größeren Beutetieren, wie zum Beispiel mit einer Kuh umgesetzt werden? Hier kommt das Konzept „Frankenprey“ ins Spiel. Da es schlicht und einfach unmöglich ist, dem eigenen Tier eine ganze Kuh zu verfüttern, kombiniert man dabei Fleisch, Organe und Knochen im gleichen Verhältnis wie bei echten Beutetieren. Viele Vertreter:innen dieser Methode wiegen beispielsweise die Zutaten für zehn Tage ab und verteilen sie auf zehn Tagesportionen, bei denen das Verhältnis keine Rolle spielt. Die große Ausnahme bilden Knochen, die nie allein verfüttert werden dürfen. Somit ist es bei dieser Methode nicht nötig, jeden Tag die optimale Zusammensetzung zu servieren. Man fokussiert sich lediglich auf das große Ganze.

Vorteile: Zumindest bei der BARF-Methode haben Tierbesitzer:innen die Möglichkeit, das Futter individuell zusammenzustellen und so besser auf spezielle Bedürfnisse eingehen zu können. Man hält sich an die natürlichste Form der Fütterung, das Tier ist außerdem weniger anfällig für Zahnstein.

Nachteile: Fundiertes Wissen ist hier gefragt, um nicht eine Fehl- oder sogar Unterversorgung zu verursachen. Zusätzlich muss stark auf Hygiene geachtet werden, da rohes Fleisch insbesondere an warmen Tagen diverse Bakterien anlockt.

Fütterungstechnik: vegetarisch/vegan

Diese beiden Fütterungsmethoden sind sehr umstritten, die Meinungen gehen hierbei oft weit auseinander. Wie bereits in früheren Artikeln erwähnt, stammt der Hund vom Wolf und die Katze von der afrikanischen Falbkatze ab. Hunde zählen also zu den Omni-Carnivoren, Katzen sind sogar reine Carnivoren. Auch wenn beide Gattungen domestiziert wurden und deren Verdauungsapparat sich im Laufe der Jahre verändert hat, sollte dieses Grundwissen allein schon einen eindeutigen Hinweis geben.

Vorteile: Man kann bei der Fütterung individuell auf das Tier eingehen.

Nachteil: Für Hunde und Katzen entspricht diese Fütterungstechnik keiner artgerechten Ernährung. Es kann schnell zu Unterversorgungen kommen.

Abschließend ist es wichtig, erneut zu betonen, dass eine bestimmte Methode der Fütterung nicht für jedes Tier gleichermaßen geeignet sein muss. Alter, Rasse, Körpergröße, Erkrankungen, Verwöhntheit etc. haben einen großen Einfluss auf das Fressverhalten. Auch bei der Anzahl der Fütterungen muss stets individuell auf die Bedürfnisse des jeweiligen Haustieres eingegangen werden. Doch gerade jene Tierhalter:innen, die sich vorab genauestens über die verschiedenen Fütterungstechniken informieren und gegebenenfalls auch Rücksprache mit ihrer Tierärztin oder ihrem Tierarzt halten, werden mit Sicherheit die optimale Methode für ihr Haustier finden.