Übergewicht bei Haustieren: Nutrigenomik zur Gewichtskontrolle

Übergewicht und Fettleibigkeit gehören zu den häufigsten Problemen unserer Haustiere, man kann beinahe von national epidemischen Ausmaßen sprechen. Neben Störungen der Verdauung, Hautreizungen oder Unverträglichkeiten resultieren auch jene Erkrankungen aus einer Entzündung, die sich auf den tiefsten Ebenen des Tieres, nämlich in den Zellen, abspielt.

Rund die Hälfte aller Hunde und Katzen sind von Übergewicht oder Fettleibigkeit betroffen. Besonders anfällig für dieses Krankheitsbild sind beispielsweise Diabetiker und Tiere mit Arthritis, erhöhtem Blutdruck oder Hyperthyreose. Studien beweisen, dass ein derartiges Krankheitsbild die Lebenserwartung von Hunden im Durchschnitt um zwei Jahre verkürzt. Außerdem haben übergewichtige Tiere ein erhöhtes Risiko für zahlreiche Erkrankungen, wie zum Beispiel:

  • Kardiorespiratorische Erkrankungen (vor allem auch bei brachyzephalen Hunderassen)
  • Endokrine Störungen, darunter Hypothyreose und Morbus Cushing
  • Verminderte immunologische Veränderungen und funktionelle Veränderungen wie verminderte respiratorische Kapazität, Hitzeintoleranz und mangelnde Belastbarkeit
  • Metabolische Abnormalität (hohe oder abnorme Blutfettwerte)
  • Neoplasien (Zellteilungen und abnormes Wachstum wie bei Krebs)
  • Orthopädische Störungen
  • Erkrankungen des Urogenitalsystems wie z.B. Übergangszellkarzinom der Harnblase

Wann spricht man überhaupt von Übergewicht?

Wenn das Idealgewicht um über zehn Prozent überschritten wird, spricht man von Übergewicht. Bei mehr als 20 Prozent spricht man bereits von Adipositas. Einen guten Überblick über die Körperkonditionsbeurteilung des Tieres gibt der Body Condition Score (kurz: BCS). Dieser BCS wird anhand einer fünfstufigen oder neunstufigen Skala ermittelt. Dabei betrachtet man seinen Hund oder seine Katze aus zwei verschiedenen Perspektiven – einmal aus der Vogelperspektive und einmal von der Seite. Anhand des Rippentests lässt sich außerdem gut ertasten, ob die Rippen gleichmäßig zu spüren sind oder ob doch eine dickere Fettschicht darüber liegt.
Grafik BCS Hund

Diese Beurteilungen sollten vom Tierhalter bzw. von der Halterin alle zwei bis vier Wochen durchgeführt werden. Zudem ist für gewisse Rassen eine Prädisposition für Fettleibigkeit bekannt. Dies gilt zum Beispiel für die folgenden Rassen: Basset, Beagle, Boxer, Cairn Terrier, Cavalier King Charles Spaniel, Cockerspaniel, Dackel, Dobermann-Pinscher, Golden Retriever, Labrador Retriever, Schottischer Terrier, Sheltie und West Highland White Terrier. Doch nicht nur die genetische Prädisposition ist dafür entscheidend, ob ein Tier zu Übergewicht und Adipositas neigt. Auch der Lebensstandard, die Ernährung, die Menge an Bewegung und Umwelteinflüsse tragen zu einem gesunden Dasein bei und können das Körpergewicht beeinflussen. Vor allem die Ernährung spielt bei diesem Thema eine wichtige Rolle.


Studien belegen, dass eine schlechte Ernährung nicht durch Fettzuwachs im Körper zu Gesundheitsproblemen führt, sondern durch eine veränderte Genexpression der Gene, die mit Fettleibigkeit in Verbindung stehen. Das bedeutet: Wenn einem Tier Futtermittel gegeben werden, die seine Genexpression für Fettleibigkeit unterdrücken, führt dies nicht nur zu einer Reduktion des Gewichts, sondern auch zu einer Verminderung des Risikos, an anderen Krankheiten, die mit Adipositas in Zusammenhang stehen, zu erkranken. Sobald der Körper zu Verfettungen neigt, entsteht ein Kreislauf, der nicht mehr so leicht zu durchbrechen ist. Fettzellen lassen immer wieder neue Fettzellen entstehen und je mehr von ihnen vorhanden sind, desto mehr entzündungsfördernde Botenstoffe, sogenannte Zytokine, werden gebildet. So kommt es zu chronischen Entzündungen im Organismus.